SprechplattenRenaissance

Wir verfolgen das Ziel der Ablösung der CD im Marktsegement Hörbuch durch die Schallplatte, die bereits vor Einführung von CD/MC als "literarische Sprechplatte" in diesem Bereich führend war. Damit unterstützen wir einen schon seit einiger Zeit beobachtbaren Trend. Wirken Sie an diesem Vorgang mit und kommentieren Sie unsere Postings.

Thursday, April 21, 2005

Das Ende vom Ende-von-Seite 1-Gag und ein neuer Anfang?

Mit der allmählichen Ablösung der Sprechplatte durch die Hörbuch-CD ist auch er unwillkürlich verschwunden – der sogenannte Ende-von-Seite 1-Gag, der die Herzen von Generationen von Sprechplattenfreunden bis in die 90er Jahre hinein immer wieder erfreut hatte.

Definition Ende-von-Seite 1-Gag Technisch der Schallplatte - aufgrund ihrer Eigenschaft zwei abspielbare Seiten zu besitzen - vorbehaltener Schlußgag oder geistreicher Kommentar, der kurz vor dem Ende einer A-Seite aufgespielt ist, das bevorstehende Ende der ersten Plattenseite kommentiert und/oder zum Umdrehen der Schallplatte auffordert bzw. Interesse für Seite 2 wecken will. Vornehmlich zu finden auf humoristischen oder kabarettistischen Sprechplatten, aber auch in anderen Genres.

Besonders die weniger literarische, mehr ins humoristisch Leichte gehende Sprechplatte hat diesbezüglich des Öfteren entzückende Schmankerl bereitgehalten; ob es nun Hans-Joachim Kulenkampff war, der freistellte, ob man schon genug gehört habe und es mit der ersten Plattenseite bewenden lassen oder doch die Platte umdrehen und sich noch die Seite 2 antun wolle und zudem den hilfreichen Hinweis gab, dass das „eigens für Sie (den Hörer) erfundene Loch in der Mitte unzerbrechlich und damit beliebig oft verwendbar“ sei oder ob Loriot als Wum gespannt fragt „Und was ist auf der anderen Seite?“ und als Wum natürlich leider nicht weiß, wie man eine Platte umdreht – das Ende von Seite 1 war für die Sprechplattenmacher oft willkommener Anlass für Späße von müde bis brillant, für die Ausarbeitung einer feinsinnigen Andeutung bis hin zur Holzhammer-Pointe.
Die größten Namen der Fernsehunterhaltung konnten es nicht lassen das Ende von Seite 1 humoristisch zu kommentieren - neben dem bereits erwähnten Kuli versuchten z.B. auch Peter Frankenfeld, Heinz Erhardt, Wim Thoelke, Heinz Schenk und Martin Jente sogar mit dem eigens dafür komponierten Moritaten-Walzer „Nun Seite zwei“ sich diesbezüglich gegenseitig zu über- bzw. unterbieten.
Selbst schon bei dem frühen Karl Valentin ist der Ende-von-Seite 1-Gag in der Szene „Die Uhr von Loewe“ angedeutet, obwohl es sich bei der Erstpressung evtl. sogar noch um ein nur einseitig bespielte Schellack-Platte gehandelt hat.

Während sich auf Kabarett- Unterhaltungs- oder Witzplatten ein Ende-von-Seite 1-Gag in der Regel wohl relativ leicht einrichten ließ, kann man sich vorstellen, dass es sich für die literarische Sprechplatte doch um einiges schwieriger gestaltete bei diesem dauerbrennenden Modegag mitzumachen - allerdings ganz sein gelassen hat man es dann doch nicht: in der zeitgenössischen Lyrik gab es bisweilen Autoren wie Grasshoff, die dafür zu haben waren - und wo sich die Gelegenheit bot hat man auch bei Lesungen ernsterer Literatur die Platte so geschnitten, dass Seite 1 da endete, wo eine Figur im Originaltext des Autors gerade im Begriff war eine Schallplatte auf Seite 2 zu wenden - freilich seltene kongeniale Fälle – doch wo diese Möglichkeit bestand, wurde sie genutzt.

Bei Plattenmachern schien also geradezu ein natürlicher Hang zum Ende-von-Seite 1-Gag zu bestehen - egal ob es sich nun um die humoristische Fraktion oder eben „ernste“ literarische Archivare handelte.

Was geschah aber mit der Einführung der CD? Der Ende-von-Seite 1-Gag verschwand schlagartig, bzw. war er während zunächst noch CD und LP veröffentlicht wurden z.T. auf Vinyl noch in der Andeutung wahrnehmbar, aber nur so fein und dezent, dass er auf der CD-Veröffentlichung hingegen gar nicht mehr auszumachen war. Bei Wiederveröffentlichung alter LPs auf CD hat man den Ende-von-Seite 1-Gag dann auch teilweise herausgeschnitten, in den meisten Fällen aber - so scheint es uns - hat man einfach die ganze Aufnahme gar nicht mehr veröffentlicht.. Wenig später war es ganz vorbei mit dem Ende-von-Seite 1-Gag und mancher heute mag diese Institution der Phono-Unterhaltung vielleicht sogar gar nicht mehr kennen.

Jetzt - rechtzeitig vor der Renaissance der Sprechplatte - können die Hörbuchmacher beginnen, sich Gedanken zu machen, in welcher Form sie den Ende-von-Seite 1-Gag reaktivieren können, wie sie dezent aber geistreich Seite 1 einer Vinyl-Veröffentlichung enden lassen können, so dass der Plattenhörer sich zumindest ein leises Schmunzeln nicht verkneifen werden kann, wo der Hörer der CD-Ausgabe nichtsahnend...

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