SprechplattenRenaissance

Wir verfolgen das Ziel der Ablösung der CD im Marktsegement Hörbuch durch die Schallplatte, die bereits vor Einführung von CD/MC als "literarische Sprechplatte" in diesem Bereich führend war. Damit unterstützen wir einen schon seit einiger Zeit beobachtbaren Trend. Wirken Sie an diesem Vorgang mit und kommentieren Sie unsere Postings.

Wednesday, April 27, 2005

Trauer um Sprechplattenpionierin Maria Schell

Wie heute morgen bekannt wurde ist einer der wenigen Weltstars der deutschsprachigen Sprechplattenproduktion Maria Schell im Alter von 79 Jahren gestorben. Maria Schell gehörte zudem zu den Ersten überhaupt, die nach der Erfindung der Langspielplatte an Sprechplattenproduktionen mitwirkte - es war eine der ganz frühen Veröffentlichungen der DGG auf der technischen Neuerung, die es wesentlich vereinfachte längere Werke der Literatur - und nicht nur einzelne Szenen, Lyrik oder Kurzprosa - auf Platte gesprochen herauszubringen: Die LP-Box "Kabale und Liebe", die 55er Aufnahme des bürgerlichen Trauerspiels von Friedrich von Schiller.

50 Jahre ist das nun her - eine Aufnahme nach einer Aufführung der Salzburger Festspiele, Maria Schell stand noch am Anfang Ihrer langen Karriere, gab die Luise Millerin - das Etikett Seelchen hatte man ihr noch nicht angeheftet. Neben ihr sprachen Walter Franck, Will Quadflieg, Heidemarie Hatheyer, Ewald Balser, Erich Ponto und die ganz junge Nicole Heesters, um nur die bekanntesten zu nennen. Ein wahrer Schatz der Sprechplatten-Geschichte, denn kaum wurde jemals wieder eine illustrere Sprecherschar in einer Aufnahme vereinigt. Umso trauriger das folgende - wenn auch ein Zeichen unserer Zeit: die damals in Leinen geschlagene edel ausgestattete Box mit originalen Bühnenfotos im Beibuch, sowie einem Vorwort und dem kompletten Text zum Mitlesen ist kürzlich bei der DDG als Eloquence Ausgabe, d.h. Low-Budget-CD verramscht - äh - wiederveröffentlicht worden, mit äußerst reduziertem Design, einem nichts-sagenden Faltblatt statt des Beibuches und, nun das versteht sich natürlich leider fast sowieso von selbst, in Plastik statt in Leinen zu einem Preis der... naja - wir können nur hoffen, dass Maria Schell von diesem bitteren Ausverkauf nichts mehr mitbekommen hat. Zum Glück für CD-Freunde ist auch die etwas liebevoller editierte ältere Ausgabe immernoch erhältlich (z.B. bei amazon.de, siehe Bild)


Die Rolle der Luise für die DGG blieb nicht der einzige Auftritt der Verstorbenen im Bereich der literarischen Schallplatte. Anfang der 60er Jahre sprach die Schell im Wechsel mit ihrem Bruder Maximilian auf einer sehr, sehr persönlichen Sprechplatte mit Namen "Darf ich vorstellen..." für die Ariola Jugenderinnerungen und Lyrik ihres Vaters. Dieser war nämlich der Schweizer Lyriker, Dramatiker und Epiker Hermann Ferdinand Schell; die Interpretation seiner Werke durch die eigenen Kinder, die zu diesem Zeitpunkt auf der Höhe ihres Ruhmes standen (Maximilian hatte gerade den Oscar gewonnen, Maria spielte in erfolgreichen Hollywoodproduktionen die weiblichen Hauptrollen) macht diese 10-inch-Platte zu einem raren Ereignis, fast zu einem Vermächtnis dieser Künstlerfamlie.

Auch erinnern wollen wir an die Platten, die Maria Schell in den 70er Jahren zusammen mit ihrem zweiten Mann Veit Relin gemacht hat und die kürzlich auf CD wiederveröffentlichte musikalische Märchenplatte "Die Nachtigall" nach H.C. Andersen, in deren Covertext Erzählerin Maria Schell wie folgt zitiert wird: "Diese Parabel passt aktuell in unsere Gegenwart, wo Natur ständig bedroht ist, immer weiter zurückgedrängt wird. Sie kann uns allen deshalb etwas Wunderbares zeigen, dass auch die perfekteste Technik das Wunder der Natur nie ersetzen kann: das Wunder der Seele, der Liebe und des Glaubens". Auch ein Credo für uns Freunde der Sprechplatte, die wir heute eine unserer letzten Heldinnen verloren haben.

Wir verabschieden uns von einer großen Schauspielerin, die der Sprechplatte zwar nur wenige, aber dafür ganz entscheidende und besondere Auftritte geschenkt hat. Danke Maria! Wir legen Dich, d.h. Deine unvergängliche Stimme, heute abend noch einmal auf - danach schauen wir uns vielleicht die Sendung von Harald Schmidt an, so wie Du es immer gatan hast und hoffen, dass Du heute von oben mitschaust!

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